Erkenntnisse

Nach diesem Erlebnis auf dem Dachboden veränderte sich etwas in Annas Innerem.

Die Ohnmacht, etwas nicht erklären zu können was ihr widerfahren war, die Gewissheit, etwas verbotenes erlebt zu haben, die bohrenden Zweifel, die Blicke und das Gerede im ganzen Haus,das alles verursachte ihr ein Gefühl,welches sie nicht einordnen konnte.

Ihre Mutter überging die ganze Sache und Anna stellte wieder einmal keine Fragen. Sie zog sich in sich selbst zurück und war überzeugt, selber die Schuldige zu sein.

Einmal hatte sie versucht, mit Frieda über diese Sache zu sprechen,aber die lachte nur und meinte:"Ach was, Buben sind so, die machen sowas gern, was tust du dir an."

 "Aber,wieso machen die das?" fragte Anna ihre Freundin.

Mit einem Achselzucken antwortete Frieda: "Ist halt interessant für die,die wollen sehen wie Mädchen da unten aussehen".

Anna wurde erst in diesem Moment klar,dass es da einen gravierenden Unterschied gab. Bis zu diesem Augenblick war ihr das nicht in den Sinn gekommen. Nun wollte sie es wissen, aber wie immer,sie fragte niemanden. Wie immer,suchte sie Wege,die Antworten auf ihre nicht gestellten Fragen zu bekommen. Ihre Mutter besaß viele Bücher. Bücher von Jules Vernes,die Anna schon als Kind verschlang, auch "Die Welt von A bis Z" war ein Lieblingsbuch von Anna. Und es gab alle Karl May Bände,auch diese hatten Anna als Kind schon fasziniert.

Lesen,das war wunderbar! In den Büchern tat sich eine Welt für Anna auf,die sie niemals in Wirklichkeit sehen würde,sie lebte sich in diese Welt hinein. Sie war die Person in dem Buch,sie identifizierte sich mit der Hauptperson,sie war Winnetou,sie war Old Shatterhand,aber am liebsten war sie Nscho Tschi, Winnetous Schwester. Am Abend,wenn sie im Bett lag,stellte sie sich vor, sie, Nscho Tschi würde von Old Shatterhand geküsst. Oder sie war Ribanna und liebte Winnetou..aber sie sah ja ganz anders aus,keine vergleich mit ribanna und Nscho Tschi...aber träumen hat sie sich immer erlaubt.

Es gab auch ein sogenanntes "Doktorbuch", welches sich Anna nun immer schnappte,wenn niemand in der Nähe war. Aus diesem Buch erfuhr sie den biologischen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Sie sah sich die Bilder genau an, fand komisch was Männer da zwischen den Beinen hatten und fand das der Frauen viel hübscher.

Penis hieß das Ding also.Nachdem sie es erst komisch fand,

fand sie es dann doch interessant. Wann immer sich die Gelegenheit ergab,sah sie sich die Bilder an,heimlich.

Eines tages sagte sie zu Frieda:" Sag mal,hast Du schon mal einen Penis gesehen?" Frieda,die nicht zugeben wollte,dass sie nicht wusste,was Anna meinte,antwortete wichtig :"Sicher,kennt doch jeder". "Wir haben ein Buch,da ist einer drin,schaut komisch aus,gell?